Archiv der Kategorie: Praktisches

Coaching mit Mitgefühl

Wir alle kennen das sicher aus unserem Alltag: Um Zeit zu sparen und es uns einfach zu machen, sagen wir unseren Kindern oder Partnerinnen bzw. Partnern oder Freundinnen und Freunden, was sie tun müssen, wenn sie etwas an sich und ihrem Leben ändern oder etwas anders machen sollen.

Und einige kennen das typische Coaching aus ganz unterschiedlichen Situationen: Feedback wird gegeben anhand von Auswertungsdaten (auch in der Schule: Verhaltensnoten), zusammengefasste Entwicklungsverläufe werden analysiert (z.B. in der Ausbildung) und uns wird gesagt, was wir ändern sollen (so auch in der Erziehung).

In all diesen Fällen bringen wir als Eltern, Partner oder Partnerin, als Freundin oder Freund, als Coach keine Aufmerksamkeit auf. Oder uns wird als Kinder, Partner oder Partnerin, Freund oder Freundin, als Coachee ein Wille und Ziele auferlegt.

Die Antwort darauf kann dann sein: a) man willigt ein, b) man versucht damit zurechtzukommen, c) man leistet passiven Widerstand oder d) man verteidigt sich oder empfindet Schuld.

Nicht nur, dass wir uns damit meistens nicht so wohl fühlen. Veränderung bedeutet auch Stress. Und Stress kann zu Abkoppelung und Dissonanz führen.

Eine gehirnpsychologische Studie, an der Boyatzis mitarbeitete, hat sich mit dieser Art von Coaching befasst. Studenten wurden einerseits danach befragt, wie sie mit ihren Hausaufgaben, Leseaufgaben und Arbeiten vorankommen. Es waren dabei kaum Aktivitäten festzustellen. Und wenn, dann wurden Bereiche aktiviert, die dafür bekannt sind, auf Unsicherheit und Schuld hinzuweisen.

Für die Forschungsgruppe heißt das zweierlei:

1. Für die Überprüfung bzw. das Management von Leistung bedeutet das: Je mehr bewertet und auf Entwicklung Wert gelegt wird, desto mehr führt dies die betroffenen Personen dazu – was die Arbeit des Gehirns betrifft –, für neue Ideen, für Lernen und für Veränderung verschlossen zu bleiben.

2. Der Fokus darauf, was verbessert werden muss, oder auch darauf, welche Schwächen und „Lücken“ überwunden werden müssen, hat exakt die gegenteilige Wirkung. Zementiert werden eine sich selbst verteidigende Haltung und das Potenzial, jeglichen Nutzen abzutun bzw. unberücksichtigt zu lassen, den man von Empfehlungen und Ratschlägen hätte. Zwar ist es möglich, dass ein Verhalten erzielt werden kann, das auf Befolgung und Zustimmung stößt, aber der positive Effekt solcher Aktivitäten oder der Wunsch danach, sich zu verbessern, wird nur von kurzer Dauer sein.

Aber streben wir nicht alle danach, uns zu verbessern – in welchen Bereichen auch immer?

Wie können wir uns gegenseitig dabei unterstützen und wie kann uns dabei geholfen werden? Stat Coaching für Einhaltung schlagen Smith, Boyatzis und Van Oosten das Coaching mit Mitgefühl vor. Dieses Coaching umfasst zweierlei Handlungsweisen:

1. Beim Coaching wird über die eigenen Träume gesprochen, über die eigenen Werte und Leidenschaften. So bekommt man das Gefühl, da kümmert sich jemand um mich, da will mich jemand verstehen und versteht mich. Das ruft Mitgefühl zwischen mir und dem Coach hervor. Und Mitgefühl erneuert unsere geistigen Kräfte, die vom Stress aufgesaugt wurden. Dieser Erneuerungsprozess ist so wichtig für Nachhaltigkeit.

2. Man hilft nicht dadurch, dass man sagt, was man tun soll.

Von dieser Art des Coachens hat man dreierlei Nutzen:

1. Man erzielt einen Zustand im Gehirn, der es wahrscheinlicher macht, dass man offen ist für neue Ideen und Wahrnehmungen.

2. Alle Aspekte von Intelligenz werden so angeregt, dass sie sich weiterentwickeln können. Das betrifft Kognitive Intelligenz (alle Bereiche des Denkens), Soziale Intelligenz (alle Bereiche des menschlichen Miteinander) und Emotionale Intelligenz (den Umgang mit den eigenen Gefühlen und Stimmungen).

3. Damit einher gehen verbesserte Leistungen beim Denken, bei der Wahrnehmung und beim Umgang mit den eigenen Gefühlen.

4. Erreicht werden Offenheit sowie ein gesünderer und nachhaltiger Zustand, der es uns erlaubt, uns den Herausforderungen der Zukunft besser stellen zu können und uns ihnen anzupassen.

Ein anderes Anwendungsbeispiel: Boyatzis berichtet von einer Studie eines Arztes mit Diabetes-Patientinnen und -Patienten. Es gab eine Gruppe von Patientinnen und Patienten, die aufgefordert wurden, ihre Medizin zu nehmen – und die entsprechend kontrollierend gefragt wurden, ob sie ihre Medizin auch ordentlich genommen haben. Der anderen Gruppe wurden vor allem die positiven Wirkungen der Medizin mitgeteilt und ihr Wunsch nach Gesundheit wurde angesprochen. Die erste Gruppe war wesentlich weniger konsequent mit der Einnahme der Medizin.

Melvin Smith, Richrd Boyatzis und Ellen Van Oosten: „Motivating Others through Coaching with Compassion“

Richard Boyatzis: „Neuroscience and the Link Between Inspirational Leadership and Resonant Relationships“, in: Ivey Business Journal Januar / Februar 2012

Advertisements

Charakteristika resonanter Leiterinnen und Leiter

Letzte Woche hatte ich vorgestellt, weshalb Goleman, Boyatzis und McKee meinen, resonante Leiterschaft sei so wichtig und nützlich. Heute stelle ich einige Charakteristika vor, die nach Ansicht Boyatzis und Yeganehs resonante Leiterinnen und Leiter auszeichnen.

1. Resonante Leiterinnen und Leiter erinnern Menschen an die Absichten und die Vision der Organisation. Damit schaffen sie Kontext, Bedeutung und Hoffnung.

2. Resonante Leiterinnen und Leiter nehmen andere sehr wichtig und kümmern sich um sie.

3. Resonante Leiterinnen und Leiter sind achtsam. Sie sind wachen Geistes und bewusst bei sich selbst, den Menschen um sie herum und der Sache. Sie sind in Einklang mit sich selbst, anderen und ihrer Umwelt. Sie geben bewusst Acht. Dadurch erscheinen sie authentisch, transparent und handeln integer.

Effektive und resonante Leiterschafts-Beziehungen beinhalten also folgende Erfahrungen:

1. Hoffnung und Vision,

2. Mitgefühl und

3. Achtsamkeit.

Auf diese Weise inspirieren sie andere. Nach einem Gespräch mit ihnen fühlt man sich häufig aufgeladen, begeistert und inspiriert.

Studie:

Boyatzis berichtet von einer neurowissenschaftlichen Studie, an der er mitgearbeitet hat. Bei der wurde untersucht, welche neuropsychologischen Auswirkungen resonante und dissonante Leiterschaft auf die Menschen haben, die die Leiterinnen und Leiter umgeben. Anders gesagt, welche Areale im Gehirn (und somit welche Funktionen) werden aktiviert, wenn Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer sich an Situationen mit resonanten bzw. dissonanten Leiterinnen und Leitern erinnern.

.

Die Versuchspersonen wurden gebeten, sich an eine Situation mit einer resonanten Leiterin bzw. einem resonanten Leiter zu erinnern. Dabei wurden insbesondere auffällig drei Gehirnareale aktiviert:

1. Der Bereich, der aktiv ist, wenn man die Handlungen anderer nachahmt oder wenn man empfindet, wie eine andere Person empfindet (Spiegelneuronen-Netzwerk). Dieses Phänomen interpretieren sie wie folgt: Es gibt eine unbewusste Übertragung zwischen Gehirn und Gehirn. Stimmungen sind also ansteckend, ohne dass man etwas davon mitbekommt.

2. Das sogenannte soziale Netzwerk (das Teil des Default Mode Network ist). Dieses ist aktiv, wenn man sich für andere Menschen engagiert oder auf sie fokussiert ist.

3. Eine bestimmte Art von Aufmerksamkeit, die folgendes ermöglicht: a) Offenheit für neue Ideen und Emotionen, b) Fähigkeit, sich einen Gesamtüberblick zu verschaffen, z.B. über das Geschäft oder die soziale Umwelt.

4. Netzwerke, die mit positiven Emotionen assoziiert werden.

5. Netzwerke, die assoziiert sind mit einem herangehenden Verhalten. Das heißt bspw., man sucht die Beziehung zur Leiterin oder zum Leiter aktiv und baut eine solche auf. Oder man geht auf Situationen zu und sucht sie zu meistern.

.

Dann wurden die Versuchspersonen gebeten, sich an Situationen mit Leiterinnen und Leitern zu erinnern, die dissonant waren.

1. Hierbei wurden folgende Bereiche im Gehirn deaktiviert oder unterdrückt: Die Spiegelneuronen, das soziale Netzwerk (Default Mode Network) (etwa 66%, zu 34% war es aktiviert).

2. Aktiviert wurde hingegen:

a) Bereiche im Gehirn, die mit negativen Emotionen assoziiert sind und solche, die mit Vermeidungsverhalten in Zusammenhang gesehen werden. Man meidet also die entsprechenden Leiterinnen und Leiter oder bestimmte Situationen.

b) Bereiche, die bekannt sind für fokussierte Aufmerksamkeit, das sogenannte Task Positive Network. Dies erlaubt es einem, Probleme zu lösen und an einer Aufgabe dran zu bleiben (wichtig vor allem für analytische Aufgaben wie Finanzen, IT oder Physik. Es verschließt den Geist für Ideen und Emotionen, die nicht selbst Teil der Aufgabe oder Situation sind. Man wird dabei also daran gehindert, offen zu sein für neue Ideen oder sich einen Überblick über eine Situation, z.B. das Geschäft oder die soziale Umgebung, zu verschaffen.

.

Zu der Bedeutung dieser Resultate:

Das soziale Netzwerk und das Task Positive Network sind voneinander unabhängig und unterdrücken einander. Im Beruf und als Leiterinnen und Leiter benötigt man allerdings beides. Sachlich-fachliche Kompetenzen sowie zwischenmenschliches Gespür.

.

Folgende Kosequenzen lassen sich aus diesen Resultaten ziehen:

1. Inspiration und Motivation helfen Menschen wahrscheinlicher dabei, dass sie: a) ihre Talente nutzen wollen, b) innovative Lösungen suchen, c) sich an neue Technologien besser anpassen, d) sich an eine ändernde Umwelt besser anpassen.

2. Leiter müssen ganzheitlich denken und handeln. Für eine effektive Leiterschaft bedarf es sowohl sachlich-fachlicher Fähigkeiten sowie zwischenmenschliches Geschick.

Richard Boyatzis & Bauback Yeganeh: „Mindfulness is the Practice of Tuning Into Some Things and Tuning Out Others“ (http://de.scribd.com/doc/155751038/Boyatzis-Yeganeh-2012#scribd)

Richard Boyatzis: „Neuroscience and the Link Between Inspirational Leadership and Resonant Relationships“, in: Ivey Business Journal Januar / Februar 2012

Sich mit Menschen auf richtige Weise verbinden: Durch Fragen

Unsere persönlichen Begegnungen mit Freundinnen oder Bekannten eröffnen wir meistens mit einem Interesse für sie oder ihn: „Wie geht es dir?“ Wenig überraschend also, genau diese Frage stellte ich einmal einer Freundin von mir. Sie weigerte sich, diese Frage gestellt zu bekommen. Sie sei oberflächlich und falls doch nicht, dann zu persönlich, weil sie nicht darüber sprechen möchte, wie es ihr geht. Und sie hat Recht damit. Womöglich treten wir Menschen manchmal zu nah mit dieser Frage, weil wir sie aus Höflichkeit stellen, ihnen aber geht es schlecht. Wir stellen unsere Frage nicht wirklich aus Interesse für die andere Person. Denn wie oft würden wir wohl peinlich berührt dastehen, wenn uns eine Freundin sagen würde: „Mehr geht es schlecht“, oder ein Freund: „Scheiße!“?

Dennoch zeigen Tony Campolo und Mary Albright Darling in ihrem Buch Connecting Like Jesus, wie anerkennend, wertschätzend und wertvoll es ist, sich mit Menschen durch Fragen zu verbinden.

.

Anerkennend, wertschätzend und wertvoll ist es aus zwei Gründen:

1. Sobald ich einem anderen Menschen eine Frage stelle, bin ich im gleichen Atemzug dazu verpflichtet, ihr oder ihm auch wirklich zuzuhören.

2. Und wenn ich jemandem eine Frage stelle, dann habe ich eines nicht: Kontrolle über die Antwort. Ich übergebe meine Kontrolle an mein Gegenüber. Nicht mehr ich bestimme, was er oder sie von mir z.B. über sich hören soll. Nein, ich lasse mich von der anderen Person kontrollieren: Was ich über sie bzw. ihn oder über mich oder von ihr bzw. von ihm über die Welt Anderes, Neues, Fremdes entdecken und lernen kann.

.

Was also tun Fragen?

1. Fragen sind der Ausgangspunkt dafür, mehr (und damit Neues, Anderes, Fremdes) zu lernen über:

mich selbst,

andere,

die Welt.

2. Fragen helfen mir mein Leben zu prüfen und zu begutachten. In derselben Weise helfen sie anderen dabei. Und dafür Fragen sind Fragen häufiger geeignet als wenn wir anderen etwas erzählen oder vorschreiben. Die richtigen Fragen zu stellen, ist viel besser, als anderen zu erzählen, was wir denken, dass sie tun sollen, damit sie sich korrekt um ihr Leben kümmern. Das gilt selbst dann, wenn sie uns bitten, ihnen Ratschläge zu geben – und wir (wieder wenig überraschend) bereit sind, sie sofort zu erteilen. Gute Fragen schaffen eine Umgebung der Offenheit und pflegen Dialog. Hier bin ich eingeladen, den Zustand meiner Seele zu entdecken. Genauso wie es andere dazu einlädt.

3. Fragen provozieren uns, rege uns dazu an, aufmerksamer über wichtige Themen nachzudenken. Fragen fordern auf eine Art heraus und können Leben in einer Weise verändern, wie es Aussagen, Anordnungen und Weisungen nicht tun können. (Vergleiche hiermit auch den Ansatz und die Untersuchungen von Boyatzis & Co.)

4. Nicht zuletzt können Fragen den Status quo verändern, da wir mit Hilfe neuer Informationen Situationen anders bewerten.

.

Stellt sich nun die Frage, wie kommen wir dazu, Fragen (richtig) zu stellen:

1. Wie sehr kenne ich das von mir!: Ich bin in einer Unterhaltung. Eine Freundin oder ein Bekannter erzählt etwas persönliches über sich. Ein Problem, eine Meinung, eine Frage. Schwupps kommen mir tausend Antworten und, jaha!, hilfreiche Kommentare in den Sinn. Die plappere ich sofort aus. Ich rede und rede und rede. Ich erzähle Geschichten, liefere Argumente, bringe Beispiele. Das richtig so ein Drang. Eine sprudelnde Quelle in mir, die sich zu einem Fluss ergießt.

Nur, anstatt meinem Mitteilungsbedürfnis und Redeschwall schamlos nachzugeben, ist es viel besser, ich stelle eine Frage. Auf diese Weise beginne ich die Versuchung zu meiden, meinen eigenen Kommentare und Geschichten beizusteuern. So fokussiere ich mich auf meinen Bekannten oder meine Freundin und deren Schilderungen, somit schließlich auf angemessene Fragen, die für die Situation relevant sind.

2. Dabei muss ich natürlich vorsichtig sein. So wertvoll Fragen sind, um andere zu leiten und zu ermutigen, damit sie ihre Gedanken und Gefühle äußern, Lösungen finden, Blickweisen ändern – wir dürfen nicht zu viele Fragen stellen. Denn wie heißt es in der Business-Kommunikation: Wer fragt der führt. Mit Fragen kann ich eine dominante Rolle einnehmen. Aber genau diese Kontrolle über die anderen möchten wir ja aufgeben. Die Fragen sollen deshalb weder vom Thema ablenken noch zu sehr vorgeben, was unser Gegenüber uns erzählen soll, einsehen möge usw.

3. Vorsichtig müssen wir schließlich deshalb sein: Nicht alle Fragen sind gute Fragen. Einige Fragen sind für das spezielle, jetzige Anliegen der Unterhaltung einfach nicht relevant. Wir müssen außerdem abschätzen können, wie persönlich wir mit unseren Fragen werden. Dabei hilft es, einfach zu fragen „Ist es okay für dich, darüber zu sprechen?“ Und wir müssen uns selbst prüfen, unsere eigenen Motive reflektieren. Stelle ich diese Frage jetzt, um meine Neugierde zu pflegen und zu befriedigen, oder um der anderen Person willen?

.

Welchen Nutzen haben wir davon, wenn wir Fragen stellen?

1. Ich rede weniger und höre mehr zu.

2. Andere öffnen sich mir mehr. Dadurch gewinne ich eine bessere Kenntnis über sie, mich und die Welt und korrigiere meine Bilder und Schlussfolgerungen, die ich mir über sie, mich und die Welt mache.

Großartig leiten heißt resonante Beziehungen bauen und pflegen

Wie können Gemeinden, christliche Organisationen oder Firmen allgemein inspirierend und erfolgreich geführt werden? (Das ist nicht so fern von der Frage, wie wir unsere Beziehungen zu unseren Freundinnen und Freunden, Partnern und Partnerinnen, Kolleginnen und Kollegen führen können.) In den nächsten Wochen werde ich einige verhaltens- und neuropsychologische Forschungsergebnisse der Forschergruppe um Daniel Goleman, Richard Boyatzis und Annie McKee vorstellen. Dabei wird es unter anderem darum gehen:

Wie können wir Druck und Stress mit Hilfe von Emotionaler Intelligenz bewältigen?

Wie pflegen Leiterinnen und Leiter durch Emotionale Intelligenz einen resonanten, inspirierenden und schließlich effektiven Leitungsstil?

Ganz allgemein lautet die Antwort: Hoffnung, Mitgefühl und Achtsamkeit helfen uns, mit Stress und Druck umzugehen und inspirierende Beziehungen zu pflegen.

.

Für heute gehe ich mit ihnen der Frage nach: Warum werden aus guten Personen schlechte oder gar böse Leiterinnen und Leiter? Diese Frage stellen sich nicht nur Führungskräfte selbst, sondern auch die Menschen, die sie umgeben: Gemeindemitglieder oder die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Als eine sichere Antwort darauf kann gelten: Druck.

Der Druck erhöhter Verantwortung.

Der Druck, die gewünschten Ergebnisse nur dadurch liefern zu können, dass man andere beeinflusst.

Der Druck, der durch Mehrdeutigkeiten verschiedener Interessenkonflikte entsteht.

Der Druck, in einer Führungsposition gewissermaßen auch alleine und auf sich gestellt zu sein.

Aus diesem Druck kann sich schnell Führungsstress entwickeln. Gefährlich wird es vor allem dann, wenn Leiterinnen und Leiter sich dessen nicht bewusst sind. Wenn sie sich nicht bewusst sind, von welchen Emotionen sie in ihrem Handeln, bei ihren Entscheidungen und bei ihrem Umgang mit den Menschen um sie herum geleitet werden. Oder wenn sie nicht wissen, wie sie mit diesen Gefühlen umgehen sollen, die aus dem Stress heraus entstehen. Gefährlich deshalb, weil sie schnell ein Klima der Angst und Ängstlichkeit schaffen können.

Dann werden Informationen auf allen Ebenen zurückgehalten.

Dann mangelt es an gegenseitigem Vertrauen.

Dann geht kaum mehr einer gesundes Risiko.

Dann sind die Menschen gehemmt zu lernen.

Ein solches Klima mag zwar kurzzeitig für produktive Ergebnisse sorgen, aber sicher nicht langfristig.

Aber Leiterinnen und Leiter wollen ihre Ziele mit loyalen, vertrauenswürdigen Menschen erreichen. Und Gemeindemitglieder, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter möchten ihre Leistungen und Erfolge gerne in einer stimulierenden Umgebung einbringen.

Wie lässt sich also verhindern, dass aus guten Menschen schlechte oder gar böse Leiterinnen und Leiter werden?

Eine entscheidende Lösung ist: Hohe emotionale Intelligenz, die zu resonanten Beziehungen zwischen der Leiterin bzw. dem Leiter und den Menschen führt, die sie umgeben. Resonanten Leiterschaft bedeutet, dass die Leiterin oder der Leiter im Einklang mit den Menschen um sie bzw. ihn herum ist.

Anders gesagt, Forschungsergebnisse (s.u. Literaturangabe) deuten darauf hin, dass Menschen mit Macht den Ton in einer Umgebung bestimmen. Die Stimmung und das Verhalten von Leiterinnen und Leitern treiben die Stimmungen und das Verhalten von allen anderen. Daran schloss sich folgende Forschungsfrage an. Nämlich, wie Emotionale Intelligenz die Performance der Menschen antreibt. Als Antwort wurde gefunden: Die Stimmung der Leiterin oder des Leiters ist ansteckend – und das kann ziemlich wörtlich so verstanden werden.

Die Musik von Leiterschaft sind also Emotionen. Daraus ergeben sich zwei Hauptaufgaben für Leiterinnen und Leiter, die ihrer Emotionalen Intelligenz entstammen und sie zugleich fördern:

1. Die Aufgabe, das eigene innere Leben gut zu bewältigen, sodass die richtige emotionale und verhaltensmäßige Kettenreaktion in Gang tritt. Hintergrund für diese Folgerung ist: Menschen merken, wenn Leiterinnen und Leiter ihnen etwas vorspielen.

2. Die Aufgabe, sich mit dem Einfluss der eigenen Stimmungen und des eigenen Verhaltens zu beschäftigen. Und zwar vor allen anderen entscheidenden Verantwortlichkeiten.

Daraus ergibt sich ein doppelter positiver Nutzen:

1. Gute Leiterinnen und Leiter inspirieren die Emotionen der Menschen um sie herum und helfen ihnen, ihre Gefühle zu meistern.

2. Informationen werden geteilt, es herrscht Vertrauen untereinander, man geht ein gesundes Risiko ein, es herrscht eine lernförderliche Atmosphäre.

Daniel Goleman, Richard Boyatzis und Annie McKee: „Primal Leadership: The Hidden Driver of Great Performance“ (eigene Textversion nicht im Netz gefunden)

Richard Boyatzis: „Neuroscience and the Link Between Inspirational Leadership and Resonant Relationships“, in: Ivey Business Journal Januar / Februar 2012

3 Möglichkeiten, Bettlerinnen und Bettlern verantwortlich und mitfühlend zu antworten

Vor kurzem empfahl ich einen Beitrag von BR zu Bettelei. Diesen ergänze ich an dieser Stelle um einen Beitrag von Sara Whitestone auf everydayfeminism.com.

Was sie schreibt, finde ich erstaunlich und auf interessante Weise herausfordernd und einleuchtend.

Sie beginnt bei sich. Mit ihrer eigenen Erfahrung:

When I’m being honest, panhandling makes me uncomfortable () because I’ve often felt helpless or unsure of what to do — until now. We know they deserve compassion, but we may not know how best to give it. How should we respond to people panhandling or experiencing homelessness?

Natürlich kann ich mir auch die Frage stellen: Wieso soll ich mich überhaupt von ihnen angesprochen fühlen? Warum sollte es mich etwas angehen, wenn mich ein fremder Menschen auf der Straße anspricht? Weshalb sollte ich mir das zumuten lassen? Woher die Berechtigung der fremden Person, sich es anmaßen und erlauben zu dürfen, von mir eine Antwort zu erhalten?

Whitestone gibt einige interessante Argumente zu bedenken, von denen ich einige herausgreife. Den gesamten Text kannst du hier nachlesen.

Drei Möglichkeiten nennt sie, wie wir verantwortlich und mitfühlend auf Bettelei antworten können.

.

1. Sage Hallo.

These are people trying to survive. And at best, we treat them like a nuisance. You can help those who are panhandling by just recognizing that person’s humanity.

I realized that the reason I feel uncomfortable when I see a person panhandling or a person experiencing homelessness is because it reminds me of my privilege. But my privileged comfort is not more important than their humanity. I can do my part in supporting those who are panhandling by simply reminding myself that they are human. I may still feel sad, upset, and uncomfortable, but I no longer allow those emotions to make me turn away from the reality that there is still a person in front of me.

Look them in the eye. Give them a nod. Give them a friendly smile. Wish them a good day. Do whatever you can to acknowledge your fellow human beings.

Wir sollen ihnen hallo sagen, einfach weil sie Menschen sind und wir sie dadurch anerkennen. Dass wir versuchen, ihnen aus dem Weg zu gehen oder sie zu ignorieren, das hängt möglicherweise mit unserer privilegierten Situation zusammen.

Wir könnten sie zumindest anschauen, ihnen zunicken, sie anlächeln und ihnen einen guten Tag wünschen. Was spricht dagegen?

.

2. Gib (falls du kannst).

Many people also hesitate to give money out of fear that it will “support their addiction.” First of all, this fear is vastly overstated. (…) Secondly, while many people, homeless or not, are struggling with addictions, we shouldn’t police where our money goes if we give it away. When we give our dollars directly to these people, we are empowering them to make a choice, and we have to trust that they will make the best choice for themselves while they live in these extreme conditions. Unless we have experienced the same circumstances, we cannot judge or assume we know what’s best for their situation.

Consider purchasing gift cards to restaurants nearby or keeping a few Ziploc bags full of things like toiletries and snacks in your car for these occasions.

Depending on where you live, you might see the same individuals every day. If you feel comfortable enough, maybe invite them to join you for a meal somewhere. It’s okay to establish a relationship, even if you can’t give your time or money every day.

Remember that it’s okay to say “no,” too. But if you are able and feel called to give someone panhandling money, then give.

Wie können wir geben?

Wir können ihnen Geld geben, denn sie wissen, was sie am ehesten für sich benötigen. Und falls wir ihnen unser Geld geben, dann sollten wir ihnen die Wahl überlassen, was sie damit machen möchten. Wir sollten sie nicht bevormunden.

Wir können sie fragen, was sie benötigen, und es ihnen kaufen.

Wir können ihnen einen Gutschein kaufen.

Wir können sie auch mal zum Essen einladen, wenn man sich wohl damit fühlt.

Bei alledem möchte ich aber auf eines hinweisen: Tun wir es im Verborgenen und brüsten uns nicht, vor anderen! Es ist keine großartige Leistung – auch wenn es so scheint. Wir verlassen lediglich unsere Komfort-Zone.

Und natürlich darf man auch „nein“ sagen.

.

3. Engagiere dich.

Freiwilligenarbeit, sich bilden über die Ursachen von Obdachlosigkeit und Bettelei und sich für sie einsetzen, wenn ihre Rechte eingeschränkt werden.

Mit unseren Ängsten umgehen lernen

Atemlos – so fühlen sich viele von uns immer wieder mal. Unser inneres Auge kann keinen fixen Punkt fixieren, an dem es sich halten kann. Unser gesamter Körper lautes Gewimmel wie das wilde Rauschen eines alten Fernsehers ohne Empfang.

Wir plagen uns mit Ängsten und Sorgen herum.

Ängste aus unserer Jugend. Vor Noten, Abschlüssen, Fehlern, Mitschülerinnen und Mitschülern, vor Lehrerinnen und Lehrern. Vor den eigenen Eltern und Geschwistern. Davor, dass die Eltern sich streiten. Und die Angst, womöglich nach der Ausbildung oder dem Studium keine Arbeit zu finden.

Und dann im Job. Wieder dieselben Ängste. Nun kommt aber vielleicht noch der Kummer hinzu, dass die Stelle nicht sicher. Vielleicht hast du deinen Job aber soeben oder schon vor sehr langer Zeit verloren. Womöglich hast du noch nie eine Stelle angetreten. Diese Angst, was wird, wenn ich langzeitarbeitslos bin. Und eine Absage nach der anderen reinflattert. Wo werde ich enden? Was wird aus mir werden?

Dann haben wir natürlich noch ganz andere Ängste. Angst in Beziehungen. Jemanden zu verlieren, sich Menschen zu öffnen, den eigenen Standpunkt zu vertreten, keine Akzeptanz zu finden, vor anderen zu beten oder Zeugnis zu geben, Angst vor großen Gruppen. Vielleicht auch Angst davor, dass das, was du über Gott glaubst, nicht wahr ist.

Und dann gibt es leider Gemeinden, die den Glauben auf Furcht gründen. Die Furcht davor, eine falsche Meinung zu haben, die Furcht vor dem Gericht, Furcht vor einer Hölle.

*

Zum Atem Holen:

Einer Umfrage zufolge haben die meisten Menschen Angst davor, öffentlich zu reden. An zweiter Stelle: Angst vor dem Tod. Woraufhin Seinfeld meint: Wenn man zu dieser Mehrheit gehört, ist es besser, man liegt bei einer Beerdigung im Sarg, als dass man die Grabrede hält.

*

Wir reagieren ganz unterschiedlich auf unsere Ängste. Mitunter ist das abhängig von unserem Temperament. Neige ich eher zu Ängstlichkeit oder zu Furchtlosigkeit. Es kann auch mit unseren Erfahrungen zusammenhängen. Habe ich schon viele negative Erfahrungen gemacht oder verlief mein Leben bisher sehr bequem.

Vielleicht reagierst du auf deine Ängste pessimistisch. Womöglich schlitterst du in einen Strudel aus Düsterkeit, Unheilsvorstellungen, Verfolgung, Selbstmitleid. Oder du willst die Kontrolle übernehmen. Du hortest und durchstöberst Selbsthilfebücher. Du versuchst, alles richtig zu machen, ja keinen Fehler. Du rennst von einem Hilfsangebot zum anderen.

*

Unsere Ängste können desaströse Folgen haben. In meiner Angst und den Sorgen, die mich unterdrücken, beginne ich, mich um mich selbst zu drehen. Dann gelingt es mir nicht mehr, mich um andere zu sorgen. Vielleicht werde ich ihnen gegenüber sogar ungerecht und torpediere meine engen Beziehungen zu meinen Freundinnen oder Freunden – womöglich, weil ich mich nicht unterstützt fühle, eventuell weil ich neidisch bin. Noch schlimmer sogar, ich werde vielleicht angriffig.

Wenn ich Angst davor habe, eine falsche Meinung zu haben, werde ich eventuell beginnen, über andere zu urteilen. Wenn ich Angst davor habe, jemanden zu verlieren, dann werde ich möglicherweise eifersüchtig und vereinnahmend. Wenn ich Angst davor habe, etwas zu verlieren, dann werde ich vielleicht gierig. Und wenn ich Angst davor habe, die Kontrolle über mein Leben zu verlieren, dann beginne ich unter Umständen damit, andere zu kontrollieren.

Alle diese Konsequenzen sind keine Liebe. Wie heißt es bei Johannes: „Wer Gott fürchtet, liebt ihn nicht.“ Wenn wir uns ängstigen und uns von unseren Ängsten einnehmen und bestimmen lassen, werden wir weder Gott noch die Menschen um uns herum lieben können.

*

Ich möchte nun drei private Arten vom Umgang mit unseren Ängsten vorstellen. Wir können versuchen, uns zu beruhigen. Wir können ansprechbar werden. Wir können uns positive Gedanken machen.

Einige Praktiken entnehme ich dabei dem Buch Connecting Like Jesus. Practices for Healing, Teaching, and Preaching von Tony Campolo und Mary Albert Darling.

Vorweg möchte ich allerdings auch sagen: Bei sehr schlimmen Ängsten solltest du dich einem Seelsorger oder Therapeuten anvertrauen.

*

Zur Ruhe kommen.

Du kannst dich zunächst einmal dadurch beruhigen, dass du deinen Körper entspannst. Deine Augen schließen und mehrmals tief durchatmen. Vielleicht einige Dehnübungen. Auch ein Spaziergang kann helfen.

In diesem Zustand kannst du versuchen, dich systematisch zu desensibilisieren. Welche Situationen machen dir Angst? Nimm davon die leichteste Variante: Die, bei der du dich nur etwas unwohl fühlst. Stelle sie dir vor, solange bis du beginnst, dich körperlich anzuspannen oder zu verkrampfen. Sobald du bei der Vorstellung dieser leicht beängstigenden Situation entspannt bleiben kannst, gehe eine Stufe weiter. Was für eine Situation bereitet mir mehr Angst?

Beruhigen kannst du dich aber auch durch das zentrierende Gebet.

Einfach still sein vor und mit Gott an einem ruhigen Ort, wo du nicht gestört werden kannst. Wenn du merkst, deine Gedanken fangen an zu kreisen, abzuschweifen, sprich ein Wort (wie z.B. „Vater“, „Jesus“, „Friede“), das dir helfen soll, dich wieder auf die Stille vor und mit Gott zu fokussieren.

Eine weitere Übung ist eine eher reduzierte und sehr ausgewählte Art und Weise, die Bibel zu lesen. Du suchst dir eine Bibelstelle heraus, in der es um Angst geht. Du liest sie langsam. Gerne mehrmals. Dann lässt du deine Gedanken darum kreisen. Vielleicht kommt dir hilfreicher Gedanke oder ein tröstliches Bild. Merke dir das und versuche dich daran während des Tages oder vor der Situation, die dir Angst macht, zu erinnern. Falls dir beim Gedanken kreisen Lassen nichts kommt, dann präge dir den Vers ein. Wiederhole ihn von Zeit zu Zeit oder erinnere dich an ihn vor der angstvollen Situation.

Auch die Ignatianische Kontemplation kann sehr hilfreich sein.

Es ist eine sehr phantasiereiche Art, die Bibel zu lesen. Du stellst dir zum Beispiel vor, du bist Teil einer tröstlichen biblischen Erzählung. Wie fühlst du dich dabei? Oder du machst dir eine Situation gegenwärtig, die dir Kummer bereitet, und stellst dir vor, Jesus ist mit anwesend. Wie fühlst du dich dabei? Was für Gedanken bekommst du?

*

Ansprechbar sein.

Vielleicht bist du in einer Situation, die du dir so nicht erwartet hast und die dich an deine Zukunft zweifeln lässt. Bedenke, „das Glück ist ein Vogerl“ – so sagt man in Österreich. An Gott zu glauben, heißt nicht, dass wir glücklich sein werden. Es gibt sogar ganz konträre Aussagen.

Nimm doch deine Situation an. Was spricht dagegen? Natürlich, es gibt schlimme Erfahrungen, von denen wir noch Jahre später nicht wissen, wozu die gut waren. Und selbstverständlich benötigen wir auch Zeit, um uns zu sammeln und aufzurappeln.

Wie kannst du deine Situation annehmen? Es gibt viele schlechte Situationen, aus denen wir etwas gelernt haben, oder? Du kannst dich fragen, was du aus dieser Situation lernen kannst. Du kannst sie auch dadurch annehmen, indem du deinen Blick von dir abwendest und anderen zuwendest. Warum nicht an andere denken und sie unterstützen?

In dem Film »Stalker« von dem sowjetischen Regisseur und orthodoxen Christ Andrej Tarkowski äußert sich zum Ende die Frau des Stalkers. Stalker hier nicht in der englischsprachigen Variante. Es ist einfach ein Name für jene, die andere in die „Zone“ führen. Man weiß nicht, was sich dort vor Jahren für eine Katastrophe ereignete. Nur so viel: Man schickte Soldaten hin. Sie kamen nicht zurück. Man sperrte das Gebiet ab. Aber es sprach sich herum: Darin gäbe es einen Raum, in dem der innigste Wunsch in Erfüllung ginge. Fortan führen Stalker illegal jene Leute dorthin, die in den Raum wollen. So auch der Stalker im Film. Und obwohl er gerade erst nach einer langjährigen Haftstrafe auf freiem Fuß ist, führt er gleich wieder zwei Männer in die „Zone“. Seine Frau empört sich darüber. Was denn aus der gemeinsamen Tochter wird, die stumm und gelähmt ist. Seit der Geburt hat er sie nicht mehr gesehen. Und vielleicht wieder erwischt werden und eine lange Gefängnisstrafe absitzen? – – – Er kehrt wieder, ohne entdeckt worden zu sein. Und wird wieder in die „Zone“ gehen.

Sie erzählt nun, wie sie sich in ihn verliebte. Schon damals riet ihr jeder im Ort ab. Er sei verrückt. Aber sie hörte nicht. Heiratete ihn, bekam mit ihm eine Tochter. Sie hat mit ihm kein glückliches Leben, sagt sie. Es gibt viel Unglück und Sorgen. Doch sie will gar kein glückliches Leben. Was sie nichtsdestotrotz erlebt: Ihr ist wohl bei ihm. Und was er tut hat einen edlen, höheren Zweck.

Das ist Ansprechbarkeit.

Das ist übrigens die Art, bei der ich meine Ängste, meine Sorgen, meine Kummer am besten bewältigen kann.

*

Zuletzt gibt es noch die Möglichkeit, dass du deine Gedanken- und Vorstellungswelt mental umstrukturierst.

Denkst du negativ über deine Zukunft oder deinen Umgang mit Menschen oder dich? Warum? Wozu? Wenn sich deine Befürchtungen bewahrheiten sollten, dann tun sie es. Aber warum sich schon vorher das Leben madig machen? Warum nicht die jetzige Situation annehmen und vielleicht sogar – sofern möglich – genießen? Es geht nicht um einen irrationalen oder blinden Optimismus. Aber katastrophische Vorstellungen hegen und pflegen ist nicht weniger irrational und blind. Es mag hilfreich und klug sein, sich auch der schlimmen, ungewünschten Situationen bewusst zu sein. Aber es kann ja auch ganz anders kommen. Es kann ja sogar noch viel besser kommen. Warum sich also nicht gerade das vorstellen? Vielleicht wirst du unbewusst sogar sein „Glück“ erzwingen.

*

Was wird das Ergebnis all dieser Praktiken sein? Du bist weniger ängstlich. Und du wirst Situationen, vor denen du Angst hast, besser bewältigen. Dir wird es wieder einfacher fallen, liebevolle und heilende Beziehungen zu deinen Mitmenschen zu leben.

»Jetzt mal ehrlich. Bettler: Geld geben, ja oder nein? «

Eine sehr interessante Doku-Reportage über Bettler, Bettelei und den sogenannten „Sozialbetrug“.

Hier geht’s zum Video: »Jetzt mal ehrlich. Bettler: Geld geben, ja oder nein? «

15.12.2014 | 44:07 Min. | UT | Verfügbar bis 15.12.2015 | Quelle: Bayerischer Rundfunk 2014

Jetzt mal ehrlich – kritisch, hintergründig und informativ gehen Rainer Maria Jilg und Vivian Perkovic Fragen nach, die Menschen in Bayern beschäftigen. Egal ob aus Politik, Wirtschaft oder Kultur: Sie sind dort, wo sich in Bayern etwas bewegt – oder bewegen muss.

Statt spenden, Mode klug kaufen

Es ist Weihnachtszeit. Es wird viel eingekauft. Und es wird viel gespendet.

Slavoj Žižek gibt hierfür eine herausfordernde und nachdenklich stimmende Analyse:

The ruthless pursuit of profit is counteracted by charity. Charity is the humanitarian mask hiding the face of economic exploitation. In a superego blackmail of gigantic proportions, the developed countries ‘help’ the underdeveloped with aid, credits and so on, and thereby avoid the key issue, namely their comlicity in and co-responsibility for the miserable situation of the undeveloped.“ (Žižek, Violence S. 19)

Beispielhaft kann man das an unserem Kleidungskonsum sehen.

Vor einiger Zeit stieß ich über www.orf.at auf die Clean Clothes Kampagne. Eine Kampagne, die sich für die Arbeiterinnen und Arbeiter in der Textilbranche einsetzt. Entsprechend lautet das Motto:

Aktiv für faire Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie“

Bis dahin habe ich immer so eingekauft: Ich will darin gut aussehen und es soll günstig sein, damit ich mir mehr kaufen kann. Jetzt zu lesen, dass eine Person an meiner Hose oder an meinem Hemd nähte und davon nicht leben kann – trotz 80-Stunden-Woche –, das beunruhigt mich!

infografik_produktionskosten_t-shirt_deutsch_ohne_url

Es machte mir einmal mehr deutlich, wie ernst es Jesus gewesen sein muss, wenn er sagte, dass es die Reichen schwer haben, ins Himmelreich einzutreten. Es gibt das Motto „No justice, no peace“. Jesus will sein Reich als ein Friedensreich verwirklichen. Ein Reich, in das Reiche nur sehr schwer eingehen können. Und ich stelle fest: Ich gehöre zu diesen Reichen! Was betete ich ersatzweise für das „und gib uns unser täglich Brot“! Letztlich waren es immer wieder Dinge, die mir ein bürgerliches, finanziell mehr als abgesichertes Leben garantieren. Aber muss ich nicht bei der Zeile stutzig werden, wenn ich beim Vater-unser „und gib uns unser täglich Brot“ bete? Ich habe mein täglich Brot! Und Jesus richtete seine Botschaft an Menschen, die das nicht hatten! Heute bete ich es. Bete für die Aufrechterhaltung eines bestimmten Lebensstandards. Und kaufe dann Kleidung, die Menschen produziert haben, die sich ihr täglich Brot nicht leisten können.

Der Traum einer Arbeiterin: genug zu essen (Kambodscha): „Sie haben uns gesagt, es handle sich um eine dringende Lieferung. Wir hatten Angst, beschimpft und gezwungen zu werden. Wir arbeiteten sogar, wenn wir krank waren. Wir arbeiteten sogar, wenn wir nicht genug geschlafen oder nicht genug zu essen hatten. Ich bin so kaputt.“

Beten sie „und gib uns unser täglich Brot“? Wie kann ich Gottes Gebetserfüllung werden?

(Ich lasse natürlich nicht unberücksichtigt, dass mitunter die Verlagerung von Produktionsstätten nach Osteuropa oder Asien es den Menschen dort ermöglicht, ein besseres Leben zu führen als ohne diese Arbeit. Dennoch: Es ist nicht genug. Es ist nicht genug, wenn sie immer noch nicht davon leben können.)

Auf jeden Fall, für mich heißt das unter anderem: Ich schaue, dass ich meine Kleidung nun bei Firmen kaufe, von denen es heißt, sie würden wenigstens einen existenzsichernden Lohn zahlen.

*

Ich empfehle hiermit diese Seite: http://www.cleanclothes.at.

Aktuell haben sie auch einige Aktionen am Start. Zum Beispiel die Online-Petitition „Ein Existenzlohn ist ein Menschenrecht!“:

Ein existenzsichernder Lohn ist ein Menschenrecht! Es ist unser Ziel, dieses Recht für NäherInnen in der globalen Bekleidungsindustrie einzufordern. Unterschreiben Sie unsere Petition und unterstützen Sie damit unseren Aktionsaufruf „NäherInnen verdienen mehr. Existenzlohn für alle!“

Über folgenden Link http://www.cleanclothes.at/de/urgent-actions/existenzlohn/ kann die Petition online unterstützt werden. Hier http://www.cleanclothes.at/de/existenzlohn/ detaillierte Erläuterungen.

Weitere Informationen: