Prediger 5,9-6,9 (Teil 2): Lob der Bescheidenheit

Welche Schlussfolgerung ist daraus zu ziehen? Was soll man tun? Es ist die allseits bekannte Antwort: „Siehe, was ich als gut, was ich als schön ersehen habe: Dass einer isst und trinkt und Gutes sieht bei all seiner Mühe, mit der er sich abmüht unter der Sonne, die Zahl seiner Lebenstage.“ Es sind dieselben Worte wie bisher. Jetzt aber mit einer völlig neuen Bedeutung. Bisher befürwortete diese Aussage ein beschaulich, überschaubares Leben aus, bei dem man nicht nachdenkt, sich keine Fragen, schon gar keine unliebsamen, stellt. Nun ist es ein bewusster Lebensstil: Ein Lebensstil der Bescheidenheit. Und in Bescheidenheit leben zu können, dazu befähigt einen Gott. Auch den Reichen: „Auch jeder Mensch, dem Gott Reichtum und Güter gegeben und den er ermächtigt hat, davon zu genießen und sein Teil zu nehmen und sich bei seiner Mühe zu freuen – das ist eine Gabe Gottes.“

Es ist eine neue, heilige Unbewusstheit: „Denn er denkt nicht viel an die Tage seines Lebens, weil Gott ihn mit der Freude seines Herzens beschäftigt.“ Man sorgt sich nicht mehr, man vergleicht sich nicht mehr, man begehrt nicht mehr. Sondern man ist genügsam und zufrieden.

Wie wichtig Genügsamkeit, Zufriedenheit und Bescheidenheit sind, macht Kohelet mit zwei folgenden Analysen deutlich: Jegliche Entgrenzung menschlicher Beschränkungen, sei es Reichtum, viele Kinder und ein langes Leben – also finanzielle, soziale und gesundheitliche Absicherung –, jegliche solcher Entgrenzungen sind wertlos, wenn ein finanziell abgesicherter, kinderreicher, gesunder Mensch Gutes nicht zu sehen bekommt, Gutes nicht genießen kann, am Guten nicht satt wird. Ein solches Leben ist nicht nur wertloser als das einer Fehlgeburt, sondern sogar noch schlimmer. Schlimmer aufgrund der Möglichkeiten, die ein solcher Mensch hätte im Leben verwirklichen bzw. verwirklicht haben können. Möglichkeiten, die eine Fehlgeburt nicht gehabt hätte.

Aber mehr noch. Am Guten nicht satt werden, Gutes nicht genießen können – das ist ein Zeichen für Sünde. Denn „alles Mühen des Menschen ist für den Mund, und doch wird seine Begierde nicht gestillt.“ Es ist die Begierde, die entgrenzt wird, die monumental und unendlich wird. Negativ unendlich. Und das zeichnet dann letztlich einen weisen Menschen gegenüber einem törichten Menschen aus, der es versteht, demütig und recht vor den Menschen zu leben. Er sieht mit seinen Augen und wird satt. Er schweift nicht in Begierden umher.

Aber wieder drängt sich die Frage auf: Kann ein weiser Mensch Gutes genießen, weil er weise ist? Weil er weise ist, kann er sich Gutes verschaffen und dieses in Bescheidenheit genießen? Anders gefragt: Wenn ein Mensch Gutes nicht zu sehen bekommt, heißt das zwangsläufig, dass er nicht weise ist? Mit dieser Frage beschäftigt sich Kohelet in einem weiteren Schritt. Und da wird es um Bescheidenheit im Geistigen und Ansprechbarkeit gehen.

Prediger 5,9-6,9 (Teil 1): Probleme mit dem Reichtum

Zuletzt war der Prediger bei folgendem Gedanken stehen geblieben: Die Eifersucht der Menschen aufeinander sorgt für allerlei Ungerechtigkeiten, selbst an jenen Orten, an denen Recht und Gerechtigkeit herrschen sollte. Als Alternative schlägt Kohelet daher vor, dass man miteinander und füreinander arbeitet. Und dass man sich in Bescheidenheit bei seinen Wünschen und vor Gott übt. Und dass man Verantwortung für die eigenen Taten übernimmt.

Aber spricht das nun gegen den Reichtum? Kohelet selbst berichtet ja von sich, dass er sich unermessliche Reichtümer angeschafft hat.

Für diese Frage nimmt er sich nun ein bisschen Zeit.

1.

Wer Geld liebt, wird des Geldes nicht satt.

Und wer den Reichtum liebt, nicht des Ertrages.“

Erst kürzlich berichtete die Welt [http://www.welt.de/finanzen/article139285786/Nullzinspolitik-kostet-jeden-Deutschen-1400-Euro.html]: „Finanz- und Euro-Krise fordern ihre Opfer, seit Jahren. (…) Es trifft auch die Deutschen, die für ihr sauer Erspartes inzwischen so gut wie keine Zinsen mehr erhalten.“ Das betrifft Tagesgeldkonten, Lebensversicherungen und Anleihen. Zinsen sanken hier, somit kam Geld abhanden. Zwischen 2010 und 2014 „hatte jeder Deutsche (…) im Schnitt bereits rund 1400 Euro an Zinsverlusten zu tragen, nach Abzug der Ersparnisse bei Krediten.“ Das hätte aber nicht so sein müssen, klärt die Welt auf. „Mangelndes Interesse an Aktien rächt sich jetzt.“ Die Aktienmärkte hätten sich positiv entwickelt. Und daran nehmen die Deutschen nicht teil. „Stattdessen gehören die Aktien der Dax-Unternehmen in der Mehrheit ausländischen Investoren. Diese freuen sich nicht nur über die satten Kursgewinne, zusätzlich werden ihnen in den kommenden Wochen rund 30 Milliarden Euro an Dividenden zufließen. Allein diese würden schon die Hälfte der diesjährigen Zinsverluste der Deutschen ausgleichen – wenn sie denn mehr in Aktien statt in Tagesgeld investieren würden. Dies tun sie jedoch nicht, obwohl sie offensichtlich sehr genau wissen, dass die Niedrigzinsphase noch lange anhalten wird.“ „Aber sie ziehen daraus eben keine Konsequenzen. (…) Aktien rangieren unter den Top-zehn-Anlagen der Deutschen auf dem letzten Rang, weit hinter Girokonto, Sparbuch, Bausparvertrag, Lebensversicherung oder Bargeld. All diese Anlageformen leiden jedoch unter den Minizinsen, während die Rallye am Aktienmarkt weitergeht. Daher dürften sich die Zinsverluste der Deutschen in den kommenden Jahren noch deutlich ausweiten.“

Das eine ist es, dass das eigene Geld ohne eigenes Zutun weniger wird. Etwa 30€ pro Kopf und pro Monat weniger. Das andere ist es, in Aktien zu investieren, um das Geld zu vermehren. Ist das Geldliebe? Oder wäre es vernünftig, in Aktien zu investieren? Aus der Perspektive des Geldes gesehen: Ja. Und aus der Perspektive des verantwortlichen Handelns? Dazu Peter Maurin: „Stock ownership is absentee ownership. Absentee ownership is property without responsibility.“ Als Aktienbesitzer ist man sozusagen Anteilseigner einer Firma und kann mit ihr Geld verdienen (oder verlieren). Aber es ist eine Beteiligung ohne Verantwortung. Denn wonach man schaut, ist lediglich dies: Dass man Gewinn macht.

Was steckt aber noch hinter diesen beiden Zeilen des Predigers? Erinnern wir uns an die Eifersucht: „Und ich sah all das Mühen und alle Tüchtigkeit bei der Arbeit, dass es Eifersucht des einen gegen den anderen ist.“ Solange Eifersucht einen zur Arbeit antreibt, solange nimmt einem die Vergleichbarkeit und Überschaubarkeit die Luft zum Atmen. Wer das Geld liebt, wünscht sich, jede Messbarkeit zu entgrenzen. Eine Entgrenzung des eigenen Erfolgs. Eine Entgrenzung hin zu einem unendlichen Freiheitsgefühl. Maßlosigkeit und Monumentalismus. Die Menschen haben das Gefühl für ihre Unendlichkeit und die Unendlichkeit Gottes, den Sinn für ihre Heiligkeit, für die Heiligkeit der Natur und die Heiligkeit Gottes verloren. Also geben sie sich einer Unendlichkeit hin, einer negativen. Einer Unendlichkeit, die lediglich die Verneinung von Grenzen ist. So sie denn können. Und sei es im Konsum.

Und es gibt sie. Jene, die es geschafft haben, ihren Reichtum zu entgrenzen. Und sie werden beneidet. Ein Neid, dessen Kehrtseite die Scham ist: „Über Geld spricht man nicht.“ Wenn man sich schon finanziell nicht entgrenzen kann, dann macht man eben ein Geheimnis daraus. Jedoch kein Geheimnis, das ein Rätsel wäre.

2.

Wenn das Gut sich mehrt, so mehren sich die, die davon zehren.

Und welchen Nutzen hat sein Besitzer, als dass seine Augen ansehen.“

Jäger und Sammler. So lautet der moderne Mythos. So begannen wir Menschen. So sind wir Menschen. Auf der Jagd nach Geld und Besitz. Jagen und Sammeln nur für sich selbst.

Aber es gelingt nicht, das Geld und den Besitz zu behalten. Da sind allein die Steuern, die zu hinterziehen als ein Kavaliersdelikt gilt. Dann Bittsteller, vielleicht falsche Freunde, windige Geschäftsleute, die Werbung, Versicherungen, Sicherheitsservice usw.

Was für ein Bruch mit dem Nutzen, der als Höchstes gilt! Welch Ironie, dass es keinen Nutzen hat, sich nur ansehen zu können, wie andere vom eigenen Gut zehren!

3.

Süß ist der Schlaf des Arbeiters, ob er wenig oder viel isst.

Aber der Überfluss des Reichen lässt ihn nicht Schlafen.“

Eine Frau erzählte mir einmal von ihrem Studentenjob. Sie war Nanny für die Tochter reicher Eltern. Großes, mehrstöckiges Haus mitten in einer Metropole. Türklinken, Wasserhähne aus Gold. Aber schiere Angst um das Kind. Keine öffentlichen Spielplätze, kein Kontakt zu anderen Kindern. Die unheimliche Furcht davor, das Mädchen könnte entführt werden, um dann Lösegeld zu erpressen. Ist es Angst um das Kind oder Sorge um das Geld?

4.

Reichtum, der von seinem Besitzer zu seinem Unglück aufbewahrt wird.

Und geht solcher Reichtum verloren und hat er einen Sohn gezeugt, so ist gar nichts in dessen Hand.“

Wie schnell kann einem das angesparte Geld durch die Finger rinnen? Plötzlich ist man die Arbeitsstelle los. Arbeitslos. Die Angst eines Vertrieblers, fast 50 Jahre, der entlassen wurde. Die Angst, sich von den Gütern trennen zu müssen, die er sich über die Jahre angehäuft hat. Weil das Jobcenter sonst nichts zahlt. Und die bisherige Suche nach einem Job verlief erfolglos. Nur noch 3 Monate, bis das Arbeitslosengeld I ausläuft…

5.

Ganz wie er gekommen ist, wird er hingehen.

Und was für einen Gewinn hat er davon, dass er für den Wind sich abmüht?“

Peter Maurin schreibt:

When a man dies and leaves a lot of money the papers say: He left so much.But they say: He left so much. Why did he leave so much? Well, he did not know enough to carry it with him when he died by giving it to the poor for Christ’s sake during his lifetime.”

Denn:

What we give to the poor for Christs sake is what we carry with us when we die. As Jean Jacques Rousseau says: When man dies he carries in his clutched hands only that which he has given away.

»Forbidden World«

Der Mensch spielt Gott“ – eine katastrophische, theologische Einschätzung von den Fähigkeiten und Taten der Menschen.

Katastrophisch, weil diejenigen, die eine solche Aussage formulieren, von einer Sache nicht überzeugt sind: Dass der Mensch der Verantwortung gewachsen ist.

Man muss aber auch nicht christlich, gläubig, religiös, theologisch sein, um die menschlichen Entscheidungen pessimistisch einzuschätzen. Wie bereits der Titel des 1982 gedrehten Films »Forbidden World« erahnen lässt. Dem Menschen sollen Grenzen gesetzt sein, die er nicht übertreten, überschreiten darf. Und wenn er es tut, dann sind verheerende Konsequenzen zu erwarten.

Diese „verbotene Welt“ betreten Forscher auf dem Planeten Xarbia, indem sie sich der genetischen Forschung widmen. Mit dem Resultat: „Subject 20“. Es ist eine experimentell entwickelte Lebensform – dazu gedacht, eine Hungersnot (im wörtlichen Sinne) galaktischen Ausmaßes zu beenden.

Was – selbstredend für einen Horrorfilm – gewaltig aus dem Ruder läuft. Ein Mitarbeiter ist unvorsichtig. Und das kostet nicht nur ihm das Leben, sondern das des nahezu gesamten Forscherteams. Sie alle werden zu Opfern dieser künstlich aus DNA erzeugten Lebensform.

Zu Opfern auf sehr unheimliche, gruselige Weise. „Subject 20“ attackiert die Menschen. Tötet sie dabei allerdings nicht. Vielmehr wird deren genetisches und biologisches Material umgeformt – bei lebendigem Leib.

forbidden world

Auch wenn von diesem Körper selbst nicht viel Menschliches mehr übrigbleibt. Sie werden eine reine Proteinmasse, die für „Subject 20“ zur Nahrung dient. Diese Veränderung resultiert aber auch darin: Die Menschen werden selbst zu aggressiven, zombieartigen Mutanten, die ihre Kolleginnen und Kollegen angreifen.

Speist sich der Pessimismus und Katastrophismus dieses Films somit der Sicht vom Menschen, dass er letztlich auch nur ein Raubtier sei, dass er lediglich aus Eigennutz ein soziales Vieh geworden sei? Berücksichtigt der Film implizit die biologische Erzählung von der Entstehung des Menschen? Auf jeden Fall ist der Film skeptisch gestimmt. Er bezweifelt, dass der Mensch der Verantwortung gewachsen ist, die mit der Genmanipulation einhergeht. Er bezweifelt, dass der Mensch dieses Wissen und diese Fähigkeiten tatsächlich zum Nutzen für seine Gattung einsetzen wird.

Ich finde den Film interessant. Auch aus meinen christlichen Glauben heraus.

In die Schöpfungserzählung ist eingeschrieben: Der Mensch soll über die Natur herrschen. Das beinhaltet weitreichende Fähigkeiten. Fähigkeiten, die weit über das hinausgehen, was die Menschen damals, als die Zeilen niedergeschrieben wurden, erahnen konnten. Ich meine daher, dass der theologische Vorwurf, der Mensch würde sich durch Genmanipulation zum Gott erheben, vorschnell und konstruiert ist. Ich bin dieser Rhetorik gegenüber skeptisch.

Dennoch, natürlich stellt sich die Frage: Muss der Mensch tun, was er tun kann? Muss er tun, was er nicht sein lassen kann? Soll er schließlich tun, was er kann und nicht sein lassen will?

Mit dem Schöpfungsbericht beginnt die Bibel. Der Rest der Geschichte sind allerdings andere Erzählungen. Sie handeln von der derzeitigen Situation der Menschen. Getrennt von Gott und aus seiner Liebe nicht lebend, vermag er zwar viel Gutes tun. Aber auf ganz eigentümliche Weise ist das pervertiert und pervertierbar. Nämlich dann, wenn wir uns dabei nicht selbst in Bescheidenheit und Schwäche begeben (wollen). (Wie Gott, als er in einer Krippe Mensch wurde und am Kreuz als Mensch starb, um die Probleme der Menschen zu lösen.)

Die Menschen suchen Sicherheit. Nicht in Gott, sondern voreinander. Also kontrollieren sie sich gegenseitig und misstrauisch. Wie auf der Forscherstation in »Forbidden World«. Da sind Kameras sogar in die Schlafzimmer geschalten. Alles und alle werden überwacht. Wird den Wissenschaftlern nicht über den Weg getraut? Trauen sie sich nicht über den Weg? Wenn dem so ist, ist es dann gut, sich einer solchen Forschung zu widmen?

Ein Crew-Mitglied nutzt diesen Zugang der Überwachung, um dem Filmhelden, und gleichzeitig Abenteurer, dabei zuzusehen, wie er mit einer Kollegin Sex hat. Er vernachlässigt dabei seine Arbeit. Seine ziellose, ungesteuerte Lust lenkt ihm vom Relevanten ab. Kurz darauf wird er von „Subject 20“ attackiert. Und zwar im Schritt. Und verwandelt sich selbst zu einem aggressiven Monster, das seine Crew-Mitglieder attackieren wird.

Damit reiß der Film auch das Thema der Bürgerüberwachung zum Schutze der Bürger an. Wozu Peter Maurin und Dietrich Bonhoeffer interessantes zu sagen haben.

Peter Maurin schreibt („Colonial Expansion“):

Theodore Roosevelt used to say: “If you want peace, prepare for war.” So everybody prepared for war, but war preparations did not bring peace; they brought war. Since war preparations brought war, why not quit preparing for war? If nations prepare for peace instead of preparing for war, they may have peace. Aristide Briand used to say: “The best kind of disarmament is the disarmament of the heart.”

Und Dietrich Bonhoeffer (in Werke Band 13):

Wie wird Friede? (…) Es gibt keinen Frieden auf dem Weg der Sicherheit. Denn Friede muss gewagt werden, ist das eine große Wagnis und lässt sich nie und nimmer sichern. Friede ist das Gegenteil von Sicherung. Sicherheiten fordern heißt Misstrauen haben, und dieses Misstrauen gebiert wiederum Krieg.

Die Überwachung als ein Zeichen des Misstrauens und der Skepsis. Dem Menschen kann nicht getraut werden, dass er es wirklich gut meint.

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Und dann die menschliche Neugierde. Mit der das Unheil auf der Station auf dem Planeten Xarbia beginnt. So wichtig Neugierde ist, sie geht fehl, wenn sie zu einem menschlichen Bestreben wird, bei dem der Mensch sich in sich selbst und an sich selbst verliert. Der Mensch berauscht sich an seiner Neugierde – und an seiner Fähigkeit, Neues, nie Geahntes, Unbekanntes zu entdecken. Der Mensch berauscht sich an sich selbst. Und verliert damit die anderen aus dem Blick, weil das eigene Erleben im Fokus steht. So der unvorsichtige Mitarbeiter. Er schließt die Vitrine nicht, in dem „Subject 20“ gehegt wird, das soeben ein Lebenszeichen von sich gibt. Er schaut es neugierig an. Er ist fasziniert von seiner Faszination. Und vergisst dabei jegliche Sicherheitsvorkehrungen. Und das Unheil beginnt seinen Lauf zu nehmen. Als er die Vitrine nämlich schließen will, springt ihm „Subject 20“ direkt ins Gesicht.

Es häufen sich im Laufe des Films die Verluste. Und die Crew ist zerstritten. Wie das Problem mit dem Monster lösen? Eine Forscherin sagt: Mit ihm kommunizieren. Der Filmheld hält das für die dümmste Idee. Bekämpfen und töten. Das ist die einzige Wahl.

Die Frau geht auf eigene Faust lost. Ohne Waffen. Sie will mit dem Monstern sprechen. Es verführt sie. Sie freut sich. Glaubt, ihm kann man vertrauen. Und. Es tötet sie. Mit dem Tier im Menschen oder christlich gesprochen mit der Sünde kann und darf es keinen Kompromiss geben!

Schließlich und endlich, der Film endet pessimistisch. Es überleben nur zwei Personen. Der Abenteurer und Krieger, der letztlich nicht in Gemeinschaft und nur für sich selbst lebt. Und eine Mitläuferin, die während der schrecklichen Ereignisse null Initiative zeigte, sich vielmehr einfach treiben ließ.

Hingegen die Vision des Christentums: Miteinander, Heiligkeit und Bescheidenheit. So lobend es ist, Menschen mit Geld zu helfen oder – in Extremfällen – mit Waffengewalt, eine Lösung wird es nicht sein. Gott lebte es in seiner Inkarnation vor: Geboren als schreiendes, wehrloses Baby in einer Futterkrippe; gestorben am Kreuz als König ohne Streitmacht und verlassen und verraten von seinen Freunden.

Ich teile daher den Pessimismus dieses Films nicht, ebenso wenig bejahe ich den eingangs zitierten theologischen Katastrophismus. Allerdings meine ich, dass es bei der Frage nach allgemein menschlichem Glück und Wohlergehen, mit der man unter anderem die Genforschung rechtfertigt, vor allem einer Klärung bedarf: Was ist die Vision von der Menschheit, dem menschlichen Miteinander und von einem selbst? Geld und Prestige spielen in der Wissenschaft eine zu große Rolle.

Oder wie es Jim Wallis in Die Seele der Politik schreibt:

Während der Bürgerrechtsbewegung sagte man, dass die jeweilige Lebensperspektive davon bestimmt ist, was jemand morgens beim Aufstehen vor Augen hat. Die Dinge, die wir jeden Tag sehen, hören, schmecken, riechen und berühren, bestimmen unser Weltbild. Mehr als alles, was wir gelesen und gehört haben, prägt unser jeweiliger Ausgangspunkt die soziale und politische Perspektive, die wir haben. (…) Die Wirklichkeit unseres Landes kann wahrlich nicht von den Büros von Lobbyisten, Mediengurus und Politiker Washingtons aus verstanden werden, die die Korridore der Macht bevölkern. Sie erwachen am Morgen und blicken auf volle Terminkalender, ein abgeschirmtes Leben und die Privilegien der Entscheidungsträger. Aber nur ein paar Häuserblocks weiter gibt es Wohnviertel (…), wo die Lebensverhältnisse in krassem und und vielsagendem Kontrast zum Wohlstand und zur Macht des offiziellen Washington stehen. Hier erwachen die Menschen in einer grundlegend anderen Wirklichkeit. Der Widerspruch zwischen ihrer Sicht und der Sicht der Regierungsflure führt zu höchst aufschlussreichen Einsichten in die Wahrheit dieses Landes und der übrigen Weltwirtschaft.

Oder Paulus an die Christen in der Stadt Philippi:

Es gibt über euch so viel Gutes zu berichten: Ihr ermutigt euch als Christen gegenseitig und seid zu liebevollem Trost bereit. Man spürt bei euch etwas von der Gemeinschaft, die der Geist Gottes bewirkt, und herzliche, mitfühlende Liebe verbindet euch. Darüber freue ich mich sehr. Vollkommen aber ist meine Freude, wenn ihr euch ganz einig seid, in der einen Liebe miteinander verbunden bleibt und fest zusammenhaltet. Weder Eigennutz noch Streben nach Ehre sollen euer Handeln bestimmen. Im Gegenteil, seid bescheiden, und achtet den anderen mehr als euch selbst. Denkt nicht an euren eigenen Vorteil, sondern habt das Wohl der anderen im Auge. Seht auf Jesus Christus: Obwohl er in göttlicher Gestalt war, hielt er nicht selbstsüchtig daran fest, Gott gleich zu sein. Nein, er verzichtete darauf und wurde einem Sklaven gleich: Er nahm menschliche Gestalt an und wurde wie jeder andere Mensch geboren. Er erniedrigte sich selbst und war Gott gehorsam bis zum Tod, ja, bis zum schändlichen Tod am Kreuz.